Düsseldorf, 07.05.2026 | Meine Rede zum Antrag „Gesund aufwachsen in NRW – Öffentlicher Gesundheitsdienst als Lotse für chancengerechte Prävention und Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche“
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Deutschland hat eines der teuersten Gesundheitssysteme weltweit. Wir sind bei den Gesundheitsausgaben Spitzenreiter in Europa und gehören gleichzeitig bei der vermeidbaren Sterblichkeit zu den Schlusslichtern in Europa. Wir haben eine Übersterblichkeit, die durch gesunde Lebensweise hätte vermieden werden können – durch gesunde Ernährung, Bewegung, Vermeidung von Rauchen und Alkohol.
Woran liegt diese im Vergleich geringe Lebenserwartung, die wir haben? Die Wissenschaft ist sich einig: In unserem teuren Gesundheitssystem reparieren wir zu viel und verhindern zu wenig. Wir fragen zu selten: Was können wir eigentlich tun, damit die Menschen gar nicht erst krank werden und so lange wie möglich gesund leben können?
Noch konkreter: Wie genau können wir dafür sorgen, dass bei uns in Nordrhein-Westfalen Kinder und Jugendliche gesund aufwachsen können, und zwar unabhängig davon, in welcher Familie sie geboren werden, in welchem Stadtteil sie leben, welche Sprache zu Hause gesprochen wird oder wie viel Geld am Monatsende übrig bleibt?
Genau darum geht es in diesem Antrag. NRW verfügt unbestritten über eine starke Gesundheitsinfrastruktur. Aber die Chancen für ein gesundes Aufwachsen sind nicht gleich verteilt. Kinder in Armut haben häufiger starkes Übergewicht und leiden häufiger unter psychischen Erkrankungen. Auch bei der Zahngesundheit zeigt sich soziale Ungleichheit deutlich.
Armut – das wissen wir – macht krank. Gesundheitsschutz für Kinder in schwierigen Lebenslagen ist eben kein Nice-to-have, sondern eine zentrale Frage von sozialer Gerechtigkeit.
(Beifall von den GRÜNEN und der CDU)
Genau deswegen darf Prävention auch kein Randthema mehr sein, sondern muss ins Zentrum unserer Gesundheitspolitik gestellt werden. Viele Menschen haben Schwierigkeiten, sich im komplexen System zurechtzufinden. Sie wissen einfach nicht, wo sie die richtige Vorsorge finden, wo sie Hilfe bekommen, was gute Ernährung bedeutet. Der gesundheitliche Schlüssel ist Bildung. Deswegen wollen wir, dass Gesundheitskompetenz so früh wie möglich bei den Familien ankommt, nämlich bei den Kindern in Kitas und Schulen.
(Beifall von den GRÜNEN)
Die gute Nachricht ist: Wir müssen uns keine neuen Programme ausdenken. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Es gibt in Nordrhein-Westfalen gute Programme, engagierte Akteure und entsprechende Strukturen, nämlich Programme wie „kinderstark“ – Frau Oellers hat es erwähnt – und „Gesunde Kita NRW – Modul Pluspunkt Ernährung“, um nur Beispiele zu nennen. Auch die gesetzlichen Krankenkassen sind engagiert. Sie leisten mit ihren qualitätsgesicherten Präventionsprogrammen wichtige Arbeit.
Das heißt: Es gilt, die bereits vorhandenen Programme besser sichtbar zu machen, gezielter zu verfahren, zu verzahnen und punktgenau da einzusetzen, wo der Bedarf am größten ist.
Bei der notwendigen Steuerung hat der Öffentliche Gesundheitsdienst eine zentrale Rolle. Die kommunalen Gesundheitsämter vor Ort wissen doch am besten, in welchem Stadtteil, in welchem Quartier der Bedarf hoch ist. Sie können die lokalen Akteure, die sich engagieren wollen, an einen Tisch bringen: die Ärzteschaft, Krankenkassen, Vereine, Schulen, Kitas, Familienzentren, Jugendhilfe und viele mehr. Mit einer klugen Verzahnung wird so aus vorhandenen Angeboten, die es in Nordrhein-Westfalen gibt, aus Insellösungen eine kommunale Public-Health-Strategie.
(Beifall von den GRÜNEN und der CDU)
Ein besonderer Schwerpunkt unseres Antrags, über den ich mich sehr freue, ist, dass wir Präventionsprogramme der gesetzlichen Krankenkassen in die Schule bringen – konkreter: in das Startchancen-Programm. Das Startchancen-Programm – das wissen Sie – richtet sich an über 900 Schulen in NRW mit besonderen Herausforderungen, zum Beispiel mit einem hohen Anteil von Kindern, die in Armut leben.
Es ist klar, dass ein Kind, das hungrig in die Schule kommt, schlechter lernt, ein Kind mit psychischen Belastungen Unterstützung benötigt und ein Kind, das sich kaum bewegt – und das tun viele –, Angebote und Motivation zur Bewegungsförderung braucht.
In Startchancen-Schulen bringen wir Präventionsangebote der gesetzlichen Krankenkassen mit den Schwerpunkten gesunde Ernährung, Bewegungsförderung und mentale Gesundheit in die Schule. So sorgen wir für gesundheitliche Bildung genau für die Kinder, die am meisten davon profitieren.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit diesem Antrag stärken wir die Chancen von Kindern in Armut auf ein gesundes Aufwachsen.
(Susanne Schneider [FDP]: Nein!)
Unser Gesundheitswesen ist sehr leistungsstark.
(Das Ende der Redezeit wird signalisiert.)
Lassen Sie es uns gemeinsam auch gerechter machen. – Vielen Dank.
(Beifall von den GRÜNEN und der CDU)