Düsseldorf, 08.05.2026 | Meine Rede zum Antrag „Besserer Schutz von Kindern und Jugendlichen vor E-Zigaretten“
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor einiger Zeit kam eine Grundschullehrerin zu mir in die Sprechstunde. Es ist immer spannend, welche Themen dort angesprochen werden. Bei ihr war das Thema: Sie machte sich große Sorgen, weil Vapes in ihrer Grundschule teilweise schon von Zweitklässlern konsumiert werden. Sie brachte auch einige Beispiele mit.
Vapes sind kleine, bunte Einweg-E-Zigaretten, die wie Textmarker bzw. USB-Sticks oder Süßigkeiten aussehen. Genau darüber sprechen wir heute. Wir sprechen nicht über harmlose Lifestyleprodukte – so sehen sie aus –, sondern über Produkte mit Suchtpotenzial, die gerade für Kinder und Jugendliche attraktiv gestaltet sind: im Comicdesign und mit süßen Aromen wie Erdbeere oder Cola. Sie werden über Social Media vermarktet und als sehr cool und ungefährlich inszeniert, aber ungefährlich sind sie nicht.
Der Konsum von E-Zigaretten steigt bei Kindern und Jugendlichen deutlich an. Nahezu jedes vierte Schulkind hat bereits E-Zigaretten ausprobiert. Jedes vierte Kind! E-Zigaretten und Vapes sind bei Schulkindern die Einstiegsdroge Nummer eins in die Nikotinsucht. Nikotin macht wahnsinnig schnell abhängig. Ich kann das leider aus eigener Erfahrung sagen. Auch ich habe als Jugendliche geraucht.
(Josef Neumann [SPD]: Was? Meral!)
Es war verdammt schwierig, irgendwann damit aufzuhören. Ich bin froh, dass ich das geschafft habe, und hätte mir gewünscht, ich hätte nie angefangen.
(Beifall von den GRÜNEN)
Je früher Kinder und Jugendliche geschützt werden und gar nicht erst mit Nikotin in Kontakt kommen, desto besser schützen wir sie vor dauerhafter Abhängigkeit und vor gesundheitlichen Schäden. Gerade junge Menschen sind stark gefährdet, weil sich ihr Gehirn noch entwickelt.
Auch nikotinfreie Vapes sind nicht unbedenklich, denn sie normalisieren Konsumverhalten – man hat den Vape in der Hand –, senken Hemmschwellen und sind ein Einstieg in die Nikotinsucht oder den Tabakkonsum.
Kollege Schmitz hat es schon gesagt: Ja, wir haben Regeln, nämlich Altersgrenzen, ein Verkaufsverbot an Minderjährige, den Jugendschutz und Werbeeinschränkungen. Die Realität zeigt aber – das hat mir auch diese Grundschullehrerin in der Sprechstunde zurückgespiegelt –: Das reicht einfach nicht. Schon unsere Grundschulkinder kommen an diese Vapes.
Im Onlinehandel zum Beispiel lassen sich Altersfreigaben mit einem Klick einfach wegwischen. Im stationären Handel bekommen Minderjährige die Produkte, und auf Social Media werden sie sowieso als ganz harmlos, bunt und süß vermarktet – fast wie Spielzeug. Vor solchen gesundheitsgefährdeten Verlockungen müssen wir unsere Kinder schützen.
(Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der CDU – Josef Neumann [SPD]: Das stimmt!)
Genau das wollen wir mit diesem Antrag erreichen. Wir wollen überprüfen, wie eine wirksame Altersverifikation im Onlinehandel aussehen kann. Wir wollen Kommunen und Ordnungsbehörden sensibilisieren, die bestehenden Regelungen zu kontrollieren und durchzusetzen.
Wir wollen Prävention natürlich mitdenken. In die bestehenden Aufklärungsprogramme wie zum Beispiel „Leben ohne Qualm“ sollen Vaping und E-Zigaretten integriert werden. Gesundheitsbildung soll in Schule kommen; darüber haben wir gestern schon gesprochen. Es soll ein Aufklärungsmodul insbesondere zu Vaping geben.
Die Landesregierung soll sich im Bundesrat dafür einsetzen, dass jugendaffine Werbung und Produktgestaltung stärker eingeschränkt werden. Wir beauftragen die Landesregierung mit diesem Antrag zusätzlich, sich beim Bund für ein rasches Verbot von elektronischen Einwegzigaretten einzusetzen.
Hierzu ist unsere Landesregierung schon aktiv – ich danke herzlich dafür –, denn parallel zu unserer heutigen Debatte befasst sich auch die Umweltministerkonferenz mit Einwegzigaretten. Nordrhein-Westfalen und Brandenburg drängen darauf, dass die Bundesregierung das bisher nur angekündigte Verbot von Einweg-E-Zigaretten zügig umsetzt.
Vapes sind nicht nur schädlich für die Gesundheit unserer Kinder, sondern auch für Umwelt und Sicherheit. Sie enthalten Batterien, Flüssigkeiten und Elektronik, werden häufig falsch entsorgt und sorgen für Brände in Entsorgungsanlagen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bitte Sie: Unterstützen Sie unser Anliegen und stimmen Sie diesem Antrag zu. – Ganz herzlichen Dank.
(Beifall von den GRÜNEN und der CDU)
> Link zum Antrag „Besserer Schutz von Kindern und Jugendlichen vor E-Zigaretten“